Stellungnahme des VKE zum geplanten Ausbau des Bozner Flughafens

 

Der VKE spricht sich entschieden gegen den Ausbau des Bozner Flughafens aus. Das Projekt entspricht einem Entwicklungsmodell, das der VKE als grundlegend falsch einstuft.

Die klimatischen Abnormitäten des heurigen Winters bestätigen viele Menschen und auch Wissenschaftler in ihrer großen Sorge um unsere Umwelt. Die Politik scheint hier wieder einmal keine visionäre Kraft zu besitzen, um neue Antworten zu suchen und angemessene Richtlinien für unser weiters Handeln zu entwickeln. Dies haben wir bereits mehrmals erlebt. Denken wir nur an die vielen Bahnlinien, die in der Vergangenheit rund um Bozen abgebaut worden sind und die wir heute so dringend brauchen würden. Bereits damals wurden alle jene, die sich dagegen aussprachen, als weltfremde Träumer abgetan.

Wir glauben aber, dass jene, die sich heute gegen den Ausbau des Flughafens aussprechen, einfach sehr viel „gesunden Menschenverstand“ besitzen und grundsätzlich ein neues Entwicklungsmodell anstreben.

Es wird behauptet, der Ausbau des Flughafens sei für die Südtiroler Wirtschaft unbedingt notwendig. Es wird dabei aber völlig außer Acht gelassen, dass das größte Kapital Südtirols, nämlich seine wunderschöne Umwelt, nur begrenzt belastbar ist. Es ist unrealistisch und gefährlich, jedes Jahr eine Steigerung der Gästezahlen um 1, 2, 5 oder10% anzustreben. Wo sollen die vielen Menschen, die mit den Charterflügen ankommen, untergebracht werden?

Natürlich sollen die Belange der Wirtschaft berücksichtigt und optimale Bedingungen geschaffen werden, denn es geht dabei ja auch um die Arbeitsplätze von vielen Menschen. Wir müssen aber begreifen lernen, dass der gesamte Alpenraum ein sensibles Gebiet ist, das auch für die kommenden Generationen geschützt werden muss und für das die Planung einer verträglichen und nachhaltigen Entwicklung notwenig ist. Eine solche weitsichtige Planung ist aber nicht sichtbar.

Nebenbei sollten wir nicht vergessen, dass auch wir in Südtirol zu dem einen Zehntel der Weltbevölkerung gehören, das neun Zehntel der vorhandenen Ressourcen der Welt für sich verbraucht. Wenn wir uns dies nicht vor Augen halten und nur an die ständige Steigerung aller Wirtschaftsdaten denken, wird früher oder später ein Zusammenbruch des gesamten Systems unvermeidlich sein und wie auf der Titanic wird das Bordorchester den Untergang musikalisch begleiten.

In den Flughafen wurden bereits viele öffentliche Mittel investiert und es wird uns klar gesagt, dass dies auch weiterhin so sein wird – so wie eben auch für Züge und Busse. Diese Investitionen kommen aber nur einer vergleichsweise sehr kleinen Anzahl von Personen zugute.

Wir glauben, dass es ein Fehler ist, auf diesem kurzsichtigen Weg weiterzufahren und dass ein Durchdrücken des Ausbaues den häufig zu beobachtenden Fehler der Politik widerspiegeln würde: schwach sein gegenüber den Starken und stark gegenüber den Schwachen.

 

Für den VKE

Anita Bozzetta

Vorsitzende