Interessenvereinigung
Bayerischer
Fluglärminitiativen
Mitglied der
Bundesvereinigung gegen Fluglärm
e.V
Manifest
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Internationale
Plattform gegen Flugemissionen
c/o Dachverband
für Natur- und Umweltschutz in Südtirol
1-39100 Bozen, Kornplatz 10
Tel.:
0039-471-973700 - Fax: 0039-471-976755
Manifest
für einen menschen- und umweitgerechten Flugverkehr
Der Flugverkehr steigt weiter, ungeachtet der bereits bestehenden Lärmbelastungen und der Warnungen, daß dadurch Treibhauseffekt, Klimaveränderung und Zerstörung der Ozonschicht vorangetrieben werden.
Viele Menschen engagieren sich weltweit in ihrem Alltagsleben für eine Verbesserung der Umwelt. Der zunehmende Flugverkehr wird von immer mehr Menschen als äußerst große Belastung empfunden, was sich in den ständig stärker werdenden Protesten in ganz Europa mehr als deutlich zeigt.
Zum Schutz der Bevölkerung richtet der Dachverband für Natur- und Umweltschutz in Südtirol in Zusammenarbeit mit der Internationale Plattform gegen Flugemissionen, in der zahlreiche Bürgerinitiativen und Umweltschutzorganisationen aus den EU-Mitgliedstaaten, aus der Schweiz und Slowenien zusammengeschlossen sind, dieses Manifest an die Kommission der Europäischen Gemeinschaften, den Rat, das Europäische Parlament, die Regierungen der Mitgliedsstaaten, die Länder, Provinzen und Kantone.
Der Flugverkehr hat die höchsten Wachstumsraten
Der Flugverkehr ist der Verkehrsbereich mit den höchsten Wachstumsraten. Nach den Angaben von Airports Council International wurden 1994 weltweit auf den Flughäfen 2,06 Milliarden Passagiere und 42 Millionen Tonnen Frachtgut abgefertigt. Die jährlichen Zuwachsraten betrugen 8% beim Personen- und 13% beim Frachtverkehr.
Luftverkehr und Energieverbrauch
Der Anteil des Luftverkehrs am globalen Energieverbrauch des Verkehrs betrug 1993 bereits 13% (gemäß internationaler Energieagentur IEA). Zu berücksichtigen ist vor allem der große, klimabelastende Faktor des Flugverkehrs. Neben dem Treibhausgas C02 sind dies die Emissionen an Stickoxiden und Wasserdampf in großer Höhe, im Übergangsbereich von der Troposphäre zur Stratosphäre.
Pro Flugstunde braucht ein Jumbo-Jet an die 16.000 Liter Kerosin. Umgerechnet auf die etwa 500 Jumbos, die im Schnitt 13 Stunden am Tag fliegen, bedeutet das eine Menge von ca. 100 Millionen Liter (=80.000 Tonnen) Kerosin, die alleine von diesen Großflugzeugen pro Tag verbrannt werden und dabei folgende Schadstoffmengen emittieren:
Kohlendioxyd (C02) 253.000 Tonnen
Wasser (H2O) 80.000 Tonnen
Kohlenmonoxid (CO) 1.300 Tonnen
Stickoxyde (N0x) 826 Tonnen
Kohlenwasserstoff 258 Tonnen
Schwefeldioxyd (SO2) 77 Tonnen
Schmieröle 7,7 Tonnen
Ruß/Spurenelemente 1,5 Tonnen
(Schwermetalle usw.) 0,8 Tonnen
Der globale Flugtreibstoffverbrauch betrug 1993 nach IEA 170 Millionen Tonnen = 215 Milliarden Liter.
Auf den Kurzstreckenverkehr bis 800 km entfällt weltweit ein Anteil von 40% der Reisenden, aber nur 7% der Luftverkehrskilometen Auf den stark durch den Urlaubsverkehr geprägten Mittelstreckenverkehr bis 4.000 km werden weitere 40% der Reisenden gezählt und 33% der Kilometer zurückgelegt. Der Fernverkehr jedoch ab etwa 6.000 km erfaßt nur 20% der Reisenden, aber 60% der mit Flugzeugen zurückgelegten Kilometer und gilt als überdurchschnittlich klima-schädlich.
Oberhalb der Tropopause (Transatlantiliflüge) sind die Flugzeugemissionen beteiligt am Ozonabbau. Die Verweildauer der Schadstoffemissionen in dieser Region beträgt ca. das 100-fache gegenüber den bodennahen Bereichen (Automobilverkehr).
Flugverkehr schadet der einheimischen Wirtschaft
Wegen des viel zu tiefen Kerosinpreises und der damit einhergehenden indirekten Subventionierung des Flugverkehrs werden ungleiche Voraussetzungen im weltweiten Konkurrenzkampf geschaffen. Vielen Menschen hat die weltumspannende Verschiebung von relativ billigen Gütern den Arbeitsplatz gekostet.
Besteuerung des Flugzeug-Treibstoffes
Überfällig ist die mindestens EU-einheitliche Besteuerung des Flugzeug-Treibstoffes, so wie dies bei Bahn und Bus der Fall ist. Der Konkurrenzvorteil des Luftverkehrs gegenüber anderen Verkehrsarten ist insbesondere dadurch bedingt. Es ist widersinnig, einerseits den Luftverkehr - selbst im innereuropäischen Verkehr - von der Mineralölsteuer freizustellen, andererseits Bahn und Bus - auch im grenzüberschreitenden Verkehr - mit der Mineralölsteuer zu belasten. Wettbewerbsverzerrung: Durch Billigflüge wird der heimische Tourismus geschädigt.
Die Richtlinie 92/81/EWG des Rates zur Harmonisierung der Verbrauchssteuern auf Mineralöle ist sofort entsprechend zu ändern.
Klimaschutz
Völlig im Widerspruch zum Klimaschutz steht der geplante Aus- und Neubau von Flughäfen, da dies mit dem Ziel der Verkehrsvermeidung nicht zu vereinbaren ist. Es ist schlicht widersinnig, die Verkehrsanlagen auszubauen, wenn Verkehrsverminderung das oberste Ziel ist.
Verlagerung des Verkehrs auf die Bahn
Bei einer weitgehenden Verlagerung des Kurzstreckenverkehrs auf die Bahn könnte Europa im wesentlichen mit den vorhandenen Flugplätzen auskommen bzw. die unbedeutenderen Flugplätze könnten geschlossen werden.
Die Zunahme des Luftverkehrs führt auch zu einer Zunahme der Verkehrsbewegungen auf den Straßen, was weitreichende Auswirkungen auf die Lebensqualität und die Umwelt in häufig schon (stark) belasteten Gebieten hat.
Grenzwerte für Schadstoff- und Lärmemissionen
Strengere Grenzwerte für Schadstoff- und Lärmemissionen durch Flugzeuge sind zu erlassen. Vor allem sind die Stickoxidemissionen zu senken. Eine Harmonisierung und Verschärfung der Rechtsvorschriften über Fluglärm in flughafennahen Gebieten, einschließlich Nacht- und Militärflüge, ist einzuführen, um eine Verringerung der Lärmschäden zu erreichen.
Eine medizinisch vertretbare Beurteilung der Lärmimmissionen muß nach Einzelschallereignissen und unter Einbeziehung von Geräuschcharakteristika, psychoakustischen und medizinisch- biologischen Faktoren erfolgen. Einzahlwerte, die die tatsächlichen Belastungen nicht mehr wiedergeben, sind strikt abzulehnen.
Flugverkehr auf Kurz- und Mittelstrecken
Die Internationale Plattform gegen Flugemissionen hält es für erforderlich, daß die EUBehörden, die Mitgliedsstaaten, Länder und Provinzen die Auswirkungen einer ständigen Zunahme des Luftverkehrs vor dem Hintergrund der allgemein anerkannten Notwendigkeit einer dauerhaften und umweltverträglichen Entwicklung prüfen und dabei insbesondere untersuchen, wie sich der Flugverkehr auf Kurz- und Mittelstrecken durch (verschiedene) preisgestalterische Maßnahmen und das Angebot hochwertiger Systeme für den öffentlichen Verkehr vermindern läßt.
Umweltpolitik der EU
Nach Artikel 130r des Vertrages zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft hat die Umweltpolitik der Gemeinschaft insbesondere zum Ziel, die Umwelt zu erhalten, zu schützen und ihre Qualität zu verbessern. Dies gilt auch für die Mitgliedsstaaten, Länder und die einzelnen Regionen der Gemeinschaft.
Das Ziel muß sein, durch eine vernünftige Raumordnungs- und Luftverkehrspolitik zu erreichen, daß der wirtschaftlich notwendige Luftverkehr (Fluglinien- und Geschäftsreiseverkehr) unter Abwägung des Einsatzes anderer Verkehrs träger (Eisenbahn!) ordnungsgemäß und ausreichend abgewickelt werden kann.
Es ist allerhöchste Zeit für eine breite, weltweite, öffentliche Diskussion und für konsequentes Handeln zur Reduzierung des Luftverkehrs.
Wir fordern daher, daß folgende Maßnahmen ab sofort im internationalen und europäischen Rahmen in Angriff genommen werden:
- Wissenschaftliche Erforschung der Wirkungen des Flugverkehrs und Erfassung und Offenlegung aller umweitrelevanten Daten mit dem Ziel, eine ökologisch verträgliche Verkehrspolitik zu gestalten.
Der Erhalt der Gesundheit und eine ausreichende Lebensqualität müssen den vom Luftverkehr Betroffenen garantiert werden.- Kostenwahrheit im Luftverkehr! Mindestens steuerliche Gleichstellung mit Straße und Bahn durch Erhebung einer Kerosin-Steuer Streichung aller Subventionen, z.B. für den Flughafenbau! Die umweltbedingten Folgekosten des Luftverkehrs müssen den Verursachern angelastet werden, um die Wettbewerbsverzerrungen gegenüber anderen Verkehrsträgern zu unterbinden.
- Keine Errichtung neuer Flughäfen und kein Ausbau kapazitätserhöhender Infrastrukturen an bestehenden Flughäfen.
- Sofortige Einstellung aller Kurzstreckenflüge bis 600 km. Verlagerung aller Flüge bis 1000 km auf die Bahn, sobald entsprechende Verbindungen hergestellt sind.
- Ausschöpfung aller Möglichkeiten zur technischen Optimierung der Luftfahrzeuge und des Flugbetriebes. Dies bedingt unter anderem die schnelle Ausmusterung der sehr lauten Flugzeuge.
- Vermeidung von Flügen in der Stratosphäre zum Schutz der Ozonschicht und bei besonders niedrigen Temperaturen zur Verminderung der Kondensstreifenbildung.
- Einführung einer zusätzlichen Luftfrachtabgabe, um den energieverschwendenden Gütertransport per Flugzeug einzudämmen.
- Verschärfung der bisherigen Abgasnormen für sämtliche Luftfahrzeuge mit gesetzlicher Verbindlichkeit.
- Senkung der gesetzlich verbindlichen Grenzwerte der Lärmimmissionen durch Flugzeuge. Diese Grenzwerte müssen den wissenschaftlich abgesicherten Richtwerten entsprechen.
- Strenges Nachtflugverbot zwischen 22 Uhr und 7 Uhr, Großflughäfen zwischen 23 Uhr und 6 Uhr, ausgenommen Rettungs- und Katastropheneinsätze.
- Sofortige Herabsetzung der Lärmgrenzwerte nach dem Stand der Technik für Motorflugzeuge bis 9.000 kg um 8 dBA unter den ICAO-Grenzwerten. Gesetzliche Regelung der Betriebszeit (Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr, Samstag von 8 bis 12 Uhr. Flugverbot an Sonn- und Feiertagen).
- Keine weiteren Genehmigungen für Hubschrauber-Außenlandeplätze, Verbot von Heli-Skiig, Verbot von Ultraleichtflugzeugen, Aufhebung bestehender Wasserlandeplätze.
- Beteiligung aller im Immissionsbereich von Flugplätzen lebenden Bürger an allen behördlichen den Flugplatz betreffenden Verfahren.
- Umweltverträglichkeitsprüfung auch für bestehende Flughäfen und bei Änderungsplänen.
Bozen, 7. Mai 1996
Astrid Kugler
Präsidentin Schweizerischer Schutzverband gegen Flugemissionen (11 Organisationen)
CH-8046 Zürich - PostfachJosef Rohrer
Schweizerischer Bund für Naturschutz (SBN)
CH-4020 Basel - PostfachRheinaubund
Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Natur-und Heimat
CH-8201 Schaffhausen - Postfach 1157Dr. Manfred Schmutzer
Obmann der Osterreich-Plattform Fluglärrn (20 Organisationen)
A-2500 Sooss - Am Schönberg 9Hilde Raich
Schutzgemei nschaft zur Verminderung schädlicher Auswirkungen des lnnsbrucker Flughafens
A-6020 Innsbruck - Karl-Innerebner-Straße 54Janez Bizjak
CIPRA-Slovenija (5 Organisationen)
SLO-4260 Bled - Kidriceva 2Prof. Dr. Kurt Oeser
1. Vorsitzender der Bundesvereinigung gegen Fluglärm e.V. (77 Organisationen und 39 Städte und Gemeinden)
D-64546 Walldorf/Mörfelden - Westendstraße 26Michael Acker
Interessenvereinigung Bayrischer Fluglärminitiativen (37 Organisationen)
D-82290 Landsberied - Angerstraße 8Dietmar Barthel
Bürgermeister der Gemeinde Adorf/Erzgebirge
D-09221 Adorf - Hauptstraße 119Wolfgang Born
Bundesvereinigung gegen Fluglärm e.V. / Arbeitskreis ,,Allgemeine Luftfahrt"
D-38108 Braunschweig - Im Fischerkamp 12Hermann Backes
Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm Braunschweig e.V.
D-38110 Braunschweig - Dammwiese 8Anne Schmidt
Bürgerinitiative Flughafen Berlin Tempelhof
D-12101 Berlin - Hoeppnerstraße 22/13Bernhard Klewitz
Bundesweite Aktionsgemeinschaft gegen Umweltzerstörung durch Flugverkehr
D-12359 Berlin - Talberger Straße 61)Eckart Meiners
Bürgerinitiative gegen Fluglärm aus Hangelar, Bonn rechts-rheinisch
D-53229 Bonn - Am Kamin 11Martin Rothe
Bürgerinitiative gegen Fluglärm in der Stadt Korschenbroich e.V.
D-41352 Korschenbroich - Auf den Kempen 87Jörn Jobs
Viersener Bürgerinitiative gegen den Flughafen-Ausbau in Mönchengladbach e.V. (Airpeace)
D-41749 Viersen - Clörather Mühle 34Udo Schiffer
Bürgerinitiative gegen Fluglärm in Mönchengladbach (Airpeace)
D-41066 Mönchengladbach - Niersbendenallee 33Edda Hupertz
Bürgerverein gegen Fluglärm Stadt Willich e.V. (Airpeace)
D-47877 Willich - Knickelsdorf 54Rainer Kuhlen
Bürgerinitiative gegen einen Flugplatz Lahr e.V.
D-77948 Friesenheim - Mühlgasse 11Andreas Küttner
Bürgerinitiative Flugplatzgegner Jahnsdorf e.V.
D-09387 Jansdorf - Siedlung 37Frauke Murath
Bürgerinitiative Langenhagen-Krähenwinkel e.V. (Hannover)
D-30855 Langenhagen - Birkenweg 7Hans-Werner Blume
Bürgerinitiative Garbsen und Umgebung (Hannover)
D-30826 Garbsen - Vor der Stauriede 5Dr. Helmut Kohstall
Mitglied der Aktionsgemeinschaft ,,Rettet den Münchner Norden"
D-80992 München - Leipziger Straße 48Kuno Schraffl
Dachverband für Natur- und Umweltschutz in Südtirol
1-39100 Bozen - Kornplatz 10
© IBF
(Interessenvereinigung Bayerischer Fluglärminitiativen) Mai 2000
©
Seitenerstellung Norman Dombo, Bürgerinitiative gegen Fluglärm
e.V.